Stadttaube oder auch Strassentaube
Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Taubenvögel (Columbiformes)
Familie: Tauben (Columbidae)
Gattung: Feldtauben

Vorkommen:

Der Lebensraum der Stadttauben sind die Städte auf der ganzen Welt. Stadttauben kommen aber auch
außerhalb von Städten vor, vor allem in vom Menschen veränderten Gebieten.

Entwicklung:

Weibchen können sich schon im Alter von fünf Monaten verpaaren. Die erste Brut ist bereits im Alter von
sechs Monaten möglich. Der größte Teil der Stadttauben brütet im zweiten Kalenderjahr. Meistens leben
die Partner in lebenslanger Monogamie.

Die Brutpaare halten sich das ganze Jahr über im Brutgebiet auf. Die Männchen besetzen ein Nestrevier,
das mehrere Nistplätze beinhalten kann und meist lebenslang behalten wird. Er lockt das Weibchen rufend
zum Nistplatz auf Simsen, im Inneren von Höhlen, Löchern in Felswänden oder vergleichbaren Stellen an
Gebäuden, mitunter auch in geschlossenen Räumen, die durch Fenster und dergleichen erreicht werden.

Das Nest wird von beiden Geschlechtern gebaut, wobei das Männchen das Nistmaterial einträgt, und
besteht meist aus einer dünnen Schicht aus Zweigen, Wurzeln, Halmen, Federn, Papier- und Kunststofffetzen,
seltener auch aus Draht oder ähnlichem. Oft werden die Eier auch ohne Unterlage auf den nackten Boden
des Brutplatzes gelegt. Ältere Brutplätze sind mit einer dicken Kotschicht bedeckt.

Die Brutzeit dauert durchschnittlich etwa 17–18 Tage. Die Hauptbrutzeit liegt in Mitteleuropa meist in der Zeit
vom März bis August oder bis in den Oktober, jedoch sind Bruten im Herbst und Winter nicht ungewöhnlich.
Diese sind in Großbritannien häufig und kommen auch in Norwegen und Finnland vor.

Im Normalfall finden zwei bis vier Bruten pro Jahr statt, bis zu sechs vollständige Bruten können vorkommen.
In Großbritannien werden von sieben bis neun Gelegen nur drei bis sechs vollendet. Bei Verlust des Geleges
kann in 10 bis 14 Tagen ein Nachgelege erzeugt werden.

Das Gelege besteht nahezu immer aus zwei Eiern, mitunter aus einem, sehr selten aus dreien. Die Eier sind
spindelförmig, oval, weiß und leicht glänzend. Sie sind 34,2–41,8 Millimeter lang und 26,6–30,4 Millimeter breit
(Durchschnitt ermittelt aus 113 Eiern aus der Schweiz). Sie werden im Abstand von 48 Stunden gelegt und 17
bis 18 Tage lang von beiden Partnern bebrütet, beginnend ab dem ersten Ei.

Nach dem Schlupf werden die Nestlinge anfänglich häufig gehudert und von beiden Partnern mit Kropfmilch
gefüttert. Mit zunehmendem Alter werden sie tagsüber von den Eltern allein im Nest zurückgelassen und
nur ca. 4 Mal am Tag gefüttert. Die Eltern suchen derweil das Zweitnest auf und beginnen bereits mit einer
neuen Brutfolge. Mit 23 bis 25 Tagen Alter verlassen die Jungen das Nest. Mit 30 bis 35 Tagen sind sie voll
flugfähig und unabhängig. Sie bleiben jedoch in dessen Nähe und verlassen den Familienverband erst viel
später, wenn der eigene Partner auserwählt wurde.

In Stadtkernen liegt die Jungensterblichkeit bei bis zu 90 % im ersten Lebensjahr. Die durchschnittliche
Lebenserwartung beträgt 2 bis 3 Jahre. Unter optimalen Bedingungen können auch Stadttauben ein
Alter von mehr als 10 Jahren erreichen.

Schadwirkung:

Stadttauben gelten in Deutschland als Schädlinge im Sinne des Tierschutzgesetzes, wenn sie in hohen
Populationsdichten auftreten, und können verschiedene Probleme bereiten.

Schäden an Gebäuden
Der Kot einer gesunden Taube ist ein mehr oder weniger rund geformtes Bällchen, das in früheren Jahrhunderten
als hervorragender Pflanzendünger verwendet wurde. Durch die ungesunde und mangelnde Nahrung der
Stadttauben sowie durch diverse Krankheiten verändert sich die Konsistenz des Kots ins Wässerige
(z. B. Hungerkot). Der Taubenkot ist zwar pH-neutral, jedoch ein Nährboden für Pilze, die Säure abscheiden,
welche zum Beispiel Fassaden angreifen kann. Die Beseitigung des Taubenkots von Fassaden und Dächern
erfordert erheblichen materiellen Aufwand. In einer Stadt wie München schätzt man die Zahl der Stadttauben
auf 40.000 und rechnet mit einer Kotmenge von jährlich 480 Tonnen.

Übertragung von Krankheitserregern
Die von Stadttauben ausgehende Gefahr für die Gesundheit der Menschen ist gering. Tauben können unter
bakteriellen Erkrankungen (Salmonellose, Ornithose, Tuberkulose, Kokken- und Coli-Infektionen), Mykosen
(Aspergillose, Soor) oder Viruskrankheiten (Taubenpocken, Taubenherpes, Paramyxovirusinfektion, Newcastle-
Krankheit, Circovirusinfektion, Leukose, Adenovirusinfektion) leiden. Zu den Endoparasiten der Tauben
gehören die Kokzidiose, Trichomoniasis, Hexamitiasis, Toxoplasmose und diverse Wurmsorten. Als
Außenparasiten sind Federlinge, Milben, Flöhe, Wanzen und Zecken zu nennen. Es ist anzumerken, dass
die meisten der genannten Krankheiten und Parasiten nicht taubenspezifisch sind, sondern ebenso bei
anderen Vögeln wie z. B. Singvögeln, Greifvögeln und Geflügel vorkommen. Die durchschnittliche Stadttaube
hat erfahrungsgemäß eine Kokzidiose sowie Federlinge und Milben. Diese sind für Menschen nicht ansteckend.

Ein Problem können jedoch Ornithose (Chlamydien – die Psittakose der Papageienvögel ist der gleiche Erreger),
Salmonellen und Tuberkulose sein. Die meldepflichtige Ornithose befällt jährlich laut den Statistiken des
Bundesgesundheitsamtes ca. 300 Personen, wovon nur 8 % auf Tauben zurückgeführt werden können.
Hierunter sind vorwiegend Taubenzüchter, die engen Kontakt zu ihren Vögeln haben.

Tauben können sich an der von Mycobacterium avium hervorgerufenen Geflügeltuberkulose, die vorwiegend
Hühnervögel befällt, über verunreinigtes Wasser oder Futter anstecken. Der trockene, zu Staub zerfallene
Kot der Tauben ist für Menschen die häufigste Ansteckungsquelle. Die Ansteckung mit Geflügeltuberkulose
verläuft weniger schwer als bei einer humanen Tuberkulose oder Rindertuberkulose, kann jedoch für stark
immungeschwächte Personen gefährlich sein.

Tauben sind einer Veröffentlichung des Robert-Koch-Instituts zufolge für das hochaggressive Influenzavirus
vom Typ H5N1 nicht empfänglich. Sie können zwar Träger des Virus sein, scheiden es jedoch nur in geringen
Mengen aus und verenden nur mit geringer Wahrscheinlichkeit.

Generell wird frischer Kot als ansteckender eingestuft als bereits ausgetrockneter und von der Sonne gebleichter
Kot, da z. B. Kokzidien und Trichomonaden dadurch abgetötet werden. Bei der Beseitigung des Taubenkots
können hohe Konzentrationen von Mikroorganismen in der Luft vorkommen. Infektionskrankheiten beim
Menschen durch Tauben (Zoonosen) treten offensichtlich nur selten auf. Meist sind Personen mit geschwächtem
Immunsystem betroffen. Infektionsquelle ist beinahe immer das Einatmen von infiziertem Taubenkot.

Vorbeugung:

In vielen Städten wird großer Aufwand zur Vogelabwehr betrieben, um die Zahl der Tauben gering und die
Gebäude taubenfrei zu halten. Die Maßnahmen können vielfältig sein: Fütterungsverbot, Abhängen der
Gebäude mit Netzen, Anflugsperren wie Nadeln oder stromdurchflossene Drähte, Abschießen, Bejagen mit
Falknern, Verbreiten von Giftködern oder Futterdragees mit integrierter Verhütungspille sowie Taubenschläge,
in denen die Tauben betreut und die Eier brütender Tauben durch Attrappen ersetzt werden.

Bekämpfung:

Eine professionelle Taubenbekämpfung sollte immer durch einen Schädlingsbekämpfer durchgeführt werden,
da die Effizienz der langfristigen Vergrämung dadurch weitaus höher ist, als wenn Privatpersonen einfache
Vergämungsmaßnahmen selber installieren. Hier gibt es verschiedene Ansätze:

Mechanische Installationen
Wohnobjekte und mittelgroße Firmengebäude können zumeist durch Taubenspikes, Spanndrähte, Netze,
Gitter und/oder glatte Winkel, an denen die Tauben keinen Halt finden, ausreichend abgesichert werden. Vorteil
dieser Installationen ist ihre langfristige Wirksamkeit, Nachteil ggf. die optische Beeinträchtigung des Objekts.

Elektrosysteme
Ein sehr diskretes und wirksames, vor allem für große Objekte geeignetes Abwehrmittel sind Elektrosysteme,
die nach dem Weidezaunprinzip arbeiten und Tauben durch leichte, aber unerwartete Elektroschocks vom
Absitzen abhalten. Anlagen dieser Art besitzen den Vorteil, dass sie kaum sichtbar sind und sich gut in das
Gesamtkonzept des Gebäudes einfügen. Eine Gefahr für das Tier besteht bei einer derartigen Tauben-
bekämpfung nicht: Auch sehr großflächige Elektrosysteme lassen sich leicht bedienen und sind unschädlich
für den Vogel. Für kleinere Objekte sind Elektrosysteme aufgrund des hohen Installations- und Wartungs-
aufwands allerdings nicht wirtschaftlich. Nachteil dieser Abwehrmethode ist die Fehler- oder Kurzschlussgefahr
bei Verunreinigung oder Beschädigung der Anlage.

Optische Abschreckung
Mit optischer Abschreckung arbeiten rotierende Spiegel oder Lasersysteme. Die mit Motor- oder Windkraft
betriebenen rotierenden Spiegel reflektieren das Sonnenlicht nach unten und halten fliegende Tauben vom
Absitzen ab, wirken allerdings nicht bei laufenden, sitzenden oder brütenden Vögeln. Sich bewegendes Licht
von Lasersystemen wirkt auf Tauben besonders hell und daher stark abschreckend. Laser helfen besonders
in Industrie und Landwirtschaft, wo sie großflächig und automatisiert in Hallen oder auf Feldern eingesetzt
werden können.

Akustische Abschreckung
Die akustische Abschreckung von Tauben durch Vogelschreigeräte, Knallgeräte oder Ultraschalldruckgeräte
zeigt kurzfristig großen Erfolg. Werden diese über einen längeren Zeitraum eingesetzt, können sich bei den
Vögeln jedoch Gewöhnungseffekte einstellen. Akustische Abwehrsysteme eignen sich aufgrund ihres
Lautstärkepegels natürlich nicht in oder nahe bei Wohngebieten.

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Kombinationen der verschiedenen Taubenabwehrsysteme sind möglich und oft am effektivsten, denn nicht
alle Abwehrsysteme arbeiten an jedem Einsatzort gleich zuverlässig. Die Sicherung großer Gebäude kann
beispielsweise mit einer Kombination aus Spanndraht- und Elektrosystemen sehr erfolgreich sein. Welches
Abwehrsystem zum Einsatz kommen sollte, ist idealerweise mit einem professionellen Schädlingsbekämpfer
abzusprechen, der sich auf die Vogelabwehr spezialisiert hat und entsprechende Abwehrsysteme installieren
kann.

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